Die neue Version verschärft Anforderungen an Lebensmittelverlust-Management, Allergen-Kontrolle und Quality Culture. Was Sie konkret anpassen müssen — und welche Themen wir in Audits schon als kritisch sehen.

Worum es geht

Mit der Version 6 hat die FSSC-Foundation ihren Standard auf den ISO 22003-1:2022 ausgerichtet und einige zusätzliche Anforderungen aufgenommen. Für Hersteller bedeutet das: einige Themenfelder, die bisher implizit mitliefen, müssen jetzt explizit nachgewiesen werden. Drei Punkte sind in der Auditpraxis besonders wirkungsvoll.

1. Lebensmittelverlust- und -verschwendungs-Management

Erstmals fordert FSSC 22000 ein dokumentiertes Programm zur Reduzierung von Food Loss & Waste — mit Zielen, Maßnahmen und Bewertung. Wir sehen in Audits, dass viele Hersteller solche Daten bereits erheben (Ausschuss, Vernichtung, Reklamationen), sie aber nicht als FLW-Programm strukturiert haben. Praktisch heißt das: erfassen, kategorisieren, Ziele ableiten, regelmäßig auswerten — und die Ergebnisse ins Management Review nehmen.

2. Allergen-Management und Quality Culture

Die Anforderungen an Allergen-Management sind präziser geworden, insbesondere zu Reinigungsvalidierung und Kennzeichnung. Quality Culture wird als eigener Punkt geführt: Hersteller müssen nachweisen, dass Sicherheits- und Qualitätskultur aktiv gestaltet wird — mit Maßnahmen und Messpunkten. Reine Schulungspläne reichen nicht.

3. Equipment Management

FSSC 22000 v6 verlangt ein systematisches Anlagen- und Equipment-Management. Auch hier gilt: Vieles liegt bereits in den Instandhaltungs-Prozessen, ist aber nicht in einer Form dokumentiert, die im Audit als „Equipment-Management-Programm“ durchgeht.

Übergang in 90 Tagen — typischer Fahrplan

  1. Wochen 1–3: GAP-Analyse gegen v6, Bewertung Lebensmittelverlust- und Equipment-Daten.
  2. Wochen 4–8: Aufbau FLW-Programm, Quality-Culture-Plan, Aktualisierung Allergen-Konzept.
  3. Wochen 9–12: Internes Audit gegen v6, Vorbereitung Management Review, Abstimmung mit Zertifizierungsstelle.

Empfehlung

Den größten Hebel sehen wir im FLW-Programm — weniger wegen der Audit-Anforderung, mehr weil systematische Verluststatistiken in der Produktion oft direkt zu messbaren Einsparungen führen. Wer das Thema rein als Compliance betrachtet, lässt einen der wertvollsten Bestandteile der neuen Version liegen.

FSSC 22000 v6 ist die Version, bei der sich entscheidet, ob ein Hersteller seine Datenströme in Sicherheit übersetzen kann — oder ob das System weiter ein Aktenordner-Phänomen bleibt.