Zwischen SAP DMC, Werum, Critical Manufacturing und kleineren Anbietern lohnt sich ein nüchterner Vergleich. Sieben Kriterien, die wir in Auswahl-Prozessen konsequent gewichten.

Worum es geht

Wir begleiten regelmäßig MES-Auswahl-Projekte und sehen: Die meisten Fehlentscheidungen entstehen nicht in der Anbieterwahl, sondern davor — in einer unklaren Anforderungsanalyse. Wenn das Lastenheft nicht steht, ist jeder Anbieter ungefähr gleich gut oder gleich schlecht. Die folgenden sieben Kriterien helfen, die Auswahl zu schärfen.

1. Schnittstelle zum ERP — vor allem zu SAP

Falls Sie SAP nutzen: Wie tief ist die SAP-Integration? Native S/4HANA-Anbindung, IDOC, OData, Custom-Schnittstellen — alles möglich, aber sehr unterschiedlich aufwändig in Pflege und Upgrade. Wer hier oberflächlich entscheidet, zahlt im fünften Jahr drauf.

2. Anpassbarkeit ohne Programmierung

Konfiguration vs. Programmierung ist der entscheidende Hebel der Total Cost of Ownership. Anbieter, deren Anpassung nur über Custom-Code geht, machen Sie abhängig — sowohl vom Anbieter selbst als auch von Beratern.

3. Validierungsfähigkeit (für regulierte Branchen)

In Medizintechnik, Pharma und Lebensmittel: Wie unterstützt der Anbieter Validierung nach GAMP, IQ/OQ/PQ? Gibt es Validierungs-Pakete? Wie ist die Update-Strategie — schließt jedes Update die Validierung aus?

4. Maschinenanbindung

OPC UA ist Standard, aber nicht jeder Anbieter implementiert ihn gleich. Wichtig: Wie viele Maschinen-Typen werden out-of-the-box unterstützt? Wie hoch ist der Aufwand pro neuer Maschine — in Tagen, nicht in Marketing-Aussagen?

5. Skalierbarkeit Pilot → Werk → Konzern

Viele Mittelständler starten mit einer Pilot-Linie und planen Roll-out auf weitere Werke. Die Lizenz- und Implementierungs-Logik des Anbieters muss das ermöglichen, ohne dass Skalierung wirtschaftlich plötzlich anders aussieht als versprochen.

6. Beraternetzwerk

Anbieter A hat ein dichtes Beraternetz, Anbieter B nur den Hersteller selbst. Letzteres heißt: alle Anpassungen über den Anbieter — was Tempo und Kosten stark prägt. Erstes heißt mehr Auswahl, aber auch mehr Variabilität in der Qualität.

7. Roadmap und finanzielle Stabilität

MES-Anbieter sind oft mittelständisch, einige werden geschluckt oder verändern ihre strategische Ausrichtung. Ein Blick auf Eigentümerstruktur, Roadmap und Kundenbasis hilft, das Risiko einer Investition in ein „bald abgekündigtes“ System zu reduzieren.

Empfohlenes Vorgehen

  1. Anforderungsanalyse — Workshop mit Produktion, QM und IT, priorisiertes Lastenheft (60-80 Anforderungen, nicht 400).
  2. Longlist — 6–8 Anbieter aus Marktüberblick, vorgefiltert nach Branche und Größe.
  3. Shortlist — 2–3 Anbieter nach standardisiertem RFP.
  4. Proof of Concept — Echte Demo am eigenen Datenmodell, nicht am Anbieter-Showcase.
  5. Vertragsverhandlung — mit Hilfe einer Bewertungsmatrix, die alle sieben Kriterien gewichtet.

Wer dieses Vorgehen einhält, verkürzt nicht nur die Auswahl — er stellt vor allem sicher, dass das System hinterher den Job tut, für den es gekauft wurde.